Café Lascaux – Medien / Politik / Philosophie

Ein Blog von Heinz-Günter Weber

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Das Ende von Facebook

Das Ende von Facebook – so sollte der Titel eines Buches heißen, das mir im Februar 2012 zu schreiben vorgeschlagen wurde. Veröffentlichungstermin: Zum Börsengang!

Das war klug gedacht!

Aber nicht leicht gemacht – denn erstens war und bin ich nicht vom „Ende von Facebook“ überzeugt. Und zweitens wollte ich nicht unter Zeitdruck in lockerer Dialogform über mögliche Szenarien für das Ende von Facebook dampfplaudern.

Dabei gibt es durchaus Szenarien, die schon mitten im Hype vor dem Börsengang im Mai Facebook’s Ende hatten möglich erscheinen lassen:

  • Politisches Szenario: Facebook diskreditiert sich durch Fälle von Zensur (etwa im Westen, USA/GB)
  • Technisch: Es taucht ein mächtiger Konkurrent auf – Google+, Apple? – und würde z.B. Facebook’s Schwäche im mobilen Markt ausnutzen (Zuckerberg’s Alptraum)
  • Strategisch: Kooperationen z.B. mit Zynga, dem größten Hersteller von Spielen auf Facebook, zerschlagen sich
  • Wirtschaftlich: Facebook kann nicht mehr schnell weiter wachsen, Erwartungen weden enttäuscht, Facebook wird zum Übernahmekandidaten
  • Break of Fair Use: Der Druck von Großaktionären lässt für den User die Balance zwischen Nutzen und Kosten (durch zu umfassend gesammelte und zu transparente Verbraucherdaten, Datenmißbrauch, …) zu Lasten der Kosten abrutschen
  • Usability und Datenschutz: Facebook wird konfus und undurchschaubar, sinkendes Vertrauen in die Kosten/Nutzen-Balance (siehe obigen Punkt)

Heute ist der Börsengang Geschichte – der Hype ist vorbei. Die hochgesteckten Erwartungen wurden enttäuscht, aber Facebook existiert natürlich weiter und wächst.

Facebook ist vom Aufreger zur Selbstverständlichkeit geworden.

Keines der oben genannten Szenarien ist eingetreten bislang.

Aber was ist da passiert? Keine Technologie bislang hat in so kurzer Zeit solche Verbreitung gefunden. Es gibt heute fast so viele Facebook-Nutzer wie feste Telefonanschlüsse weltweit (2007: 1,27 Milliarden feste Telefonanschlüsse laut UN Studie) – das Telefon gibt es seit über 150 Jahren.

Ich habe den Eindruck: Nicht eine Technologie hat sich durchgesetzt. Sondern ein latentes Massenbedürfnis hat sich seinen Weg gebahnt – mit Hilfe von Facebook als Werkzeug.

Darüber zu schreiben wäre nicht uninteressant:

  • Über Facebook zu schreiben, heißt über ein Medium zu schreiben. Und über Medien zu schreiben hieße auch über Sinne und Denken zu schreiben
  • Über Facebook zu schreiben heißt, Verhaltensmuster zu erkennen, die sich bisherigen Kulturmustern zumindest in Europa entgegenstellen
  • Über Facebook’s Zukunft – oder besser das Potential von Netzwerken (eines anderen Netzwerks? anderen Facebooks?) – zu schreiben, könnte bedeuten, über Freude am Lernen und Denken zu schreiben – etwas was in Europa seit 2500 Jahren aus den Schulen und Universitäten vertrieben ist  …
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» Manual for Civilization – Long Views: The Long Now Blog

Ein Zitat von James Lovelock, zitiert im Blog der  „The Long Now Foundation“, die sich mit dem Heute aus Blickrichtung der Zukunft beschäftigt (Gründungsmitglied: Brian Eno). Wir denken mit dem möglichen Ende unserer Zivilisation immer das Ende der Menschheit mit. Ein zivilisatorischer Irrtum …

„We have confidence in our science-based civilization and think it has tenure. In so doing, I think we fail to distinguish between the life-span of civilizations and that of our species. In fact, civilizations are ephemeral compared with species. Humans have lasted at least a million years, but there have been 30 civilizations in the past 5000 years. It seems clear to me that we are not evolving in intelligence, not becoming true Homo sapiens. Indeed there is little evidence that our individual intelligence has improved through the 5000 years of recorded history.“

via» Manual for Civilization – Long Views: The Long Now Blog.

Die individuelle Intelligenz hat sich nicht weiterentwickelt in den letzten 5000 Jahren – zugestanden.

Aber was ist mit „kollektiver Intelligenz“? Es gibt eine menschliche Schwarmintelligenz, es fehlt nur der richtige Name dafür.

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