Café Lascaux – Medien / Politik / Philosophie

Ein Blog von Heinz-Günter Weber

Schlagwort-Archiv: Tod

Der Tod ist nur eine Unterbrechung der direkten Beziehungen zwischen meinen heutigen und zukünftigen Erfahrungen

„Mein Tod wird die direkten Beziehungen zwischen meinen heutigen und meinen zukünfigen Erfahrungen durchbrechen, aber andere Beziehungen wird er nicht durchbrechen. Das ist alles, was es mit der Tatsache‘ auf sich hat, dass niemand mehr lebt, der »ich« ist. Seit ich das so sehe, erscheint mir mein Tod weniger schlimm. Statt zu sagen: »Ich werde tot sein«, sollte ich sagen: »Es wird keine zukünftigen Erfahrungen geben, die auf bestimmte Weise in Beziehung zu diesen heutigen Erfahrungen stehen.

Diese Neubeschreibung macht diese Tatsache weniger deprimierend. Nehmen wir als Nächstes an, ich müsse mich irgendeiner Tortur unterziehen, Statt zu sagen: »Diese leidende Person werde ich sein«, sollte ich sagen: »Es wird Leiden geben, das zu diesen heutigen Erfahrungen in einer bestimmten Beziehung steht.« Wieder scheint mir das neu beschriebene Faktum weniger schlimm zu sein.“

Zitate aus Derek Parfit,  »Reasons and Persons«

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Derek Parfit – Identitiy … What matters …

Derek Parfit uses many examples seemingly inspired by Star Trek and other science fiction, such as the teletransporter, to explore our intuitions about our identity. He is a reductionist, believing that since there is no adequate criterion of personal identity, people do not exist apart from their components. Parfit argues that reality can be fully described impersonally; there need not be a determinate answer to the question „Will I continue to exist?“ We could know all the facts about a person’s continued existence and not be able to say whether the person has survived. He concludes that we are mistaken in assuming that personal identity is what matters; what matters is rather Relation R: psychological connectedness (namely, of memory and character) and continuity (overlapping chains of strong connectedness).

On Parfit’s account, individuals are nothing more than brains and bodies, but identity cannot be reduced to either. Parfit concedes that his theories rarely conflict with rival Reductionist theories in everyday life, and that the two are only brought to blows by the introduction of extraordinary examples. However, he defends the use of such examples because they seem to arouse genuine and strong feelings in many of us. Identity is not as determinate as we often suppose it is, but instead such determinacy arises mainly from the way we talk. People exist in the same way that nations or clubs exist.

A key Parfitian question is: given the choice of surviving without psychological continuity and connectedness (Relation R) or dying but preserving R through the future existence of someone else, which would you choose?

via Derek Parfit – Wikipedia, the free encyclopedia.

Die Kultur, der Tod und die Utopie: Was Oswald Spengler übersehen hat, nach Adorno

Theordor W. Adorno in einer Festrede zu Oswald Spenglers 70. Geburtstag (1950)

Was Kultur ist, trägt die Spur des Todes — das zu verleugnen, bliebe ohnmächtig vor Spengler, der von den Geheimnissen der Kultur kaum weniger ausgeplaudert hat als Hitler von denen der Propaganda. Um dem Zauberkreis der Spenglerschen Morphologie zu entrinnen, genügt es nicht, die Barbarei zu diffamieren und auf die Gesundheit der Kultur sich zu verlassen — eine Vertrauensseligkeit, in deren Angesicht Spengler hohnlachen könnte. Vielmehr ist das Element der Barbarei an der Kultur selber zu durchdringen. Nur solche Gedanken haben eine Chance, das Spenglersche Verdikt zu überleben, welche die Idee der Kultur nicht weniger herausfordern als die Wirklichkeit der Barbarei. Die pflanzenhafte Kulturseele Spenglers, das vitale „In-Form-Sein“, die unbewußte archaische Symbolwelt,an deren Ausdruckskraft er sich berauscht —all diese Zeugnisse selbstherrlichen Lebens sind Sendboten des Verhängnisses, wo sie wirklich in Erscheinung treten. Denn sie alle zeugen von Zwang und Opfer, die Kultur den Menschen auferlegt. Auf sie sich verlassen und den Untergang verleugnen, heißt nur ihrer tödlichen Verstrickung um so tiefer verfallen. Es heißt zugleich wieder herstellen wollen, worüber bereits Geschichte jenes Verdikt aussprach, das für Spengler das letzte bleibt, während Weltgeschichte, indem sie ihr Urteil vollstreckt, das mit Recht Verurteilte gerade in seiner Unwiederbringlichkeit ins Recht setzt.

Eines ist Spenglers spähendem Jägerblick, der erbarmungslos die Städte der Menschheit durchstreift, als wären sie die Wildnis, die sie sind — eines ist diesem Jägerblick verborgen: die Kräfte, die im Verfallfrei werden. „Wie scheint doch alles Werdende so krank“ — der Satz des Dichters Georg Trakl transzendiert die Spenglersche Landschaft. In der Welt des gewalttätigen und unterdrückten Lebens ist Dekadenz, die diesem Leben, seiner Kultur, seiner Roheit und Erhabenheit die Gefolgschaft aufsagt, das Refugium des Besseren. Die ohnmächtig,nach Spenglers Gebot, von Geschichte beiseite geworfen und vernichtet werden,verkörpern negativ in der Negativität dieser Kultur, was deren Diktat zu brechen und dem Grauen der Vorgeschichte sein Ende zubereiten wie schwach auch immer verheißt.In ihrem Einspruch liegt die einzige Hoffnung, es möchten Schicksal und Macht nicht das letzte Wort behalten. Gegen den Untergang des Abendlandes steht nicht die überlebende Kultur, sondern die Utopie, die im Bilde der untergehenden wortlos fragend beschlossen liegt.

Quelle: PDF, The Month (Der Monat), issue: 020 / 1950, pages: 115128, auf www.ceeol.com.

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