Café Lascaux – Medien / Politik / Philosophie

Ein Blog von Heinz-Günter Weber

Kategorie-Archiv: Gedanken

Kategorischer Imperativ, aktualisiert

Aus dem Interview in Hohe Luft 2/2013 mit Derek Parfit:

In seinem Buch versucht Parfit, die scheinbar unvereinbaren Auffassungen zusammenzubringen. Nach Parfits Lesart läuft eine von Kants berühmten Formeln – »Handle stets nach einer Maxime, die zugleich als allgemeines Gesetz gelten kann« auf folgende sehr ähnliche Formel hinaus: »Jeder sollte Prinzipien folgen, deren universelle Akzeptanz jeder vernünftigerweise will.«

Das können nach Parfit aber nur Prinzipien sein, deren Anwendung das bestmögliche Ergebnis produziert. Das ist die utilitaristische Sicht. Wir sollten ihnen aber nicht deshalb folgen, weil sie die besten Konsequenzen haben – sondern weil wir vernünftigerweise wollen, dass sie von allen akzeptiert werden. Das ist die Kant’sche Perspektive.

Sogenannte Kontraktualisten, das ist die dritte große Strömung, vertreten die Auffassung, dass Moral auf einer Art Vertrag beruht. Besonders einflussreich ist die Version des amerikanischen Philosophen Thomas Scanlon. Seine Kurzformel lautet: »Jeder sollte Prinzipien folgen, die niemand vernünftigerweise zurückweisen kann.«

Und diese wiederum läuft auf etwas Ähnliches hinaus wie Parfits revidierte Fassung des kategorischen Imperativs.

Letztlich versuchen nach Parfit alle drei Theorien – also die Kanfsche Ethik, der Utilitarismus und der Kontraktualismus den »gleichen Berg von verschiedenen Seiten aus zu besteigen«.

Das führt schließlich zu Parfits »Triple Theory« – seiner vorläufigen Endversion: »Eine Handlung ist dann falsch, wenn solche Handlungen von einem Prinzip untersagt werden, welches das beste Ergebnis produziert, universell gewollt werden und von niemandem vernünftigerweise abgelehnt werden kann.« Am Ende steht eine große Versöhnungsformel – und die Hoffnung, dass es eben doch nur eine wahre Moraltheorie gibt.

…die Menschheit in die Lage versetzen zu überleben

Aus dem Interview in Hohe Luft 2/2013 mit Derek Parfit:

Läuft die »unparteiliche« Stoßrichtung Ihrer Theorie nicht letztlich darauf hinaus, dass wir am meisten Grund haben, unser Überleben als rationale menschliche Wesen zu sichern?

Worauf es aus meiner Sicht am meisten ankommt, ist tatsächlich, dass wir die Menschheit in die Lage versetzen zu überleben. Denn zukünftige Menschen werden womöglich ein viel besseres Leben führen als die meisten von uns heute – und viel größere Dinge erreichen. Wir wissen noch nicht, ob es andere rationale Wesen irgendwo im Universum gibt. Da rationale Wesen auf der Erde für eine weitere Milliarde Jahre überleben könnten, wäre es furchtbar, wenn wir das verhindern würden.

 

Kein wahres ethisches System kann in den Geboten Gottes gründen

Aus dem Interview in Hohe Luft 2/2013 mit Derek Parfit:

Gibt es ein Fundament, auf dem ein ethisches System aufgebaut werden kann?

Ich bin der Auffassung, dass die Ethik ein solches Fundament weder braucht noch haben kann.  Normative Wahrheiten müssen nicht durch etwas anderes wahr gemacht werden. Diese Sicht wurde von vielen religiösen Leuten vertreten. Statt zu glauben, dass Handlungen falsch sind, weil Gott sie verbietet, glauben diese Leute, dass Gott diese Handlungen verbietet, weil sie falsch sind. Ich glaube mich zu erinnern, dass Thomas von Aquin einer der vielen Christen war, die diese Sichtweise hatten. Kein wahres ethisches System kann in den Geboten Gottes gründen.

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